Oktoberfestbier 2014: So hat die Jury entschieden

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Geschmack ist ja bekanntlich verschieden – trotzdem kann eine Jury von Biersommelièrs sehr wohl beurteilen, welches Oktoberfestbier durch welche Note glänzt und was seinen Abgang so besonders macht. Hier erfahrt ihr, was die Alpenwelt Oktoberfestbier-Verkostung ergeben hat und welches ihr unbedingt probieren solltet!

Die 3 Sommeliers und das Oktoberfestbier

Der Countdown zum größten Volksfest der Welt läuft, und München rüstet sich für das Oktoberfest auf der Theresienwiese. Höchste Zeit also, auch die diesjährigen Wiesnbiere, die in den Zelten ausgeschenkt werden, einer Verkostung zu unterziehen! Alpenwelt hat drei Biersommeliers aus München gebeten, das gebotene Oktoberfestbier 2014 einem Geschmackstest mit fachlichem Urteil zu unterziehen. In einer Blindverkostung im Pschorr am Viktualienmarkt wurden die diesjährigen Bierspezialitäten verkostet und bewertet.

Verkostungs-Jury Ganzenmüller, Lankes und Hahn

Beratende Schlucke in der Jury: Sandra Ganzenmüller, Johanna Lankes und Holger Hahn (v.l.)

Sandra Ganzenmüller, Holger Hahn und Johanna Lankes sind zertifizierte Biersommelièrs. Sie eint die Begeisterung für interessante, gute und handwerklich hergestellte Bierspezialitäten sowie eine gelebte Bierkultur. Eine Woche vor dem offiziellen Anstich sind sie angetreten, um alle Biere nach festgelegten Kriterien zu bewerten. Lest hier, was die einzelnen Sorten auszeichnet und was das Oktoberfestbier als solches zu so einer Besonderheit macht.

Was ist eigentlich ein Oktoberfestbier?

Eine gute Frage! „Ein besonderes Bier halt, das nur für das Oktoberfest gebraut wird“, würde der Münchner sagen. Und damit liegt er schon ganz richtig. Es handelt sich um ein etwas stärker eingebrautes, sehr malzbetontes, vollmundiges Festbier, das von Experten in eine eigene Kategorie eingeteilt wird. Hier die fachlich entscheidenden Kriterien, nach denen ein Oktoberfestbier in internationalen Wettbewerben beurteilt und bewertet wird.

Sechs Oktoberfestbiere galt es zu testen. Warum nicht mehr, fragt sich der Besucher des Volksfestes zu Recht? Es dürfen auf der Wiesn nur die Brauereien das markenrechtlich geschützte Oktoberfestbier präsentieren und ausschenken, die ihre Produktionsstätte innerhalb der Münchner Stadtgrenzen haben. Die sechs Münchner Brauereien haben sich mittlerweile zum Verein Münchner Brauereien e.V. zusammengeschlossen.

Das Oktoberfestbier, streng nach dem bayerischen Reinheitsgebot gebraut, ist eine ganz besondere Bierspezialität und blickt auf eine jahrhundertealte Geschichte zurück. Nach der bayerischen Brauordnung von 1539 war Bierbrauen lediglich zwischen dem 29. September und dem 23. April erlaubt. Aus diesem Grunde haben die Braumeister im März ein besonders haltbares Bier mit einem höheren Alkoholgehalt eingebraut und nannten es Märzen. Dieses Gesetz war damals erlassen worden, weil die Brauereien noch nicht die technischen Voraussetzungen hatten, die gebrauten Biere ausreichend zu kühlen. Das Märzen wurde in den Bierkellern eingelagert und spätestens auf den Herbstfesten als letztes Bier des ursprünglichen Braujahres ausgeschenkt.

Märzen beim Münchner Oktoberfest

Bierkrüge am OktoberfestDer Sommer 1972 war außergewöhnlich heiß. Die Münchner löschten ihren Durst mit so viel Bier, dass es dem Oktoberfestwirt Michael Schottenhamel ausging. Während des Volksfestes waren seine Fässer plötzlich leer. Ein Wirt ohne Bier? Unvorstellbar. Nun schon das Winterbier auf dem Oktoberfest auszuschenken kam für Schottenhamel nicht infrage. Er bat seinen Brauer und Besitzer der Franziskanerbrauerei Joseph Sedlmayr um Rat, der ihm das Märzenbier, das sein Sohn Gabriel braute, anbot. Als die Polizei vom geplanten Bieraustausch erfuhr, befürchtete sie einen Bieraufstand, denn das Märzen war deutlich teurer als das übliche Bier. Schottenhamel übernahm die volle Verantwortung und schenkte daraufhin zum ersten Mal das helle Märzen auf dem Oktoberfest aus. Es wurde das beliebteste Bier des Festes.

Aus diesem Grund konnten die Wiesnbesucher früher dort nur Märzen trinken. Heute folgt nur noch Hacker-Pschorr der alten Tradition. Das Oktoberfest Märzen von Hacker-Pschorr ist mit seiner bernsteinfarbenen Anmutung das dunkelste Bier, das in den Zelten ausgeschenkt wird. Die anderen Brauereien vertreiben ein hell- bis goldgelbes Bier, das etwas stärker gehopft ist und manchen Kenner an die Sorte Wiener Export erinnert.

Was bei allen geblieben ist, ist der etwas höhere Alkoholgehalt, das die Biere auch als Festbier auszeichnet. Während der Bierstil Helles einen Alkoholgehalt von 4,6 bis 5,1 Volumenprozent aufweist, hat das Oktoberfestbier 5,5 bis 6,3 Volumenprozent Alkohol.

Übrigens: Alle Brauereien schenken mittlerweile das Bier aus großen Stahltanks aus. Lediglich das Augustiner Bräu wird nach wie vor aus den traditionellen Holzfässern gezapft.

Getestet wurde nach den offiziellen Kategoriebeschreibungen des European Beer Stars in einer Blindverkostung. Die Jurymitglieder haben alle sechs Biere sorgfältig allein beurteilt und dann in der Runde die Bewertungen diskutiert.

So schmeckt die diesjährige Wiesn: Die Ergebnisse im Detail

Oktoberfestbier Augustiner

Augustiner Oktoberfest Bier: „Strohblonde sollte man nicht unterschätzen!“

Ein glanzklares, strohblondes Festbier mit cremigem, feinporigem Schaum und angenehmer Rezenz. Es duftet nach brotigen, getreide- und honigartigen Noten, hat einen runden, fast wuchtig anmutenden Körper und eine malzaromatische Süße. Im Abgang präsentiert es sich fein-herb.

Oktoberfestbier Hacker-Pschorr

Hacker-Pschorr Oktoberfest Märzen: „Das geheimnisvolle Dunkle!“

Bei dem bernsteinfarbenen Bier mit kupfernen Nuancen und einem stabilen Schaum steigen mandel- und keksartige Düfte gepaart mit etwas Kamille in die Nase. Es zeigt sich im Körper durchaus als kerniger Zeitgenosse mit dezenten Röst- und Brotaromen und verabschiedet sich mit einer markanten, aber doch ausgewogenen Bittere. Mit 5,8 Volumenprozent erfüllt es den vorgegebenen Rahmen perfekt.

Oktoberfestbier Wiesnbier Hofbräu München

Hofbräu München Wiesnbier: „Das Gefällige für Einsteiger!“

Eine deutliche Vanillenote mit brotigen Begleitern tänzelt in die Nase, hellgelb und mit einem feinporigen Schaum ausgestattet liegt es im Glas. Ausgewogen, harmonisch und sortentypisch – das Bier für den Einstieg auf dem Oktoberfest. Eine Bittere ist zu erkennen, drängt sich aber nicht auf. Mit 6,3 Volumenprozent Alkohol ist es nicht zu unterschätzen, so gefällig es auch zunächst erscheint.

Oktoberfestbier Löwenbräu

Löwenbräu Oktoberfestbier: „Eine Erinnerung an spätsommerliche Wiesen!“

Ein klar sortentypischer Vertreter des Festbiers. Leichte Zitrustöne, versteckte grasige Anklänge und eine dezente Getreidenote zeichnen das Aromaprofil aus. Eine trockene Eleganz und ein vollmundiger Gesamteindruck bleiben in Erinnerung. Die 6,1 Volumenprozent Alkohol sind durchaus erkennbar.

Oktoberfestbier Paulaner

Paulaner Oktoberfest Bier: „Das Stämmige für Fortgeschrittene!“

Glanzklar, helles Gold und ein cremiger, angenehmer Schaum erfreuen das Auge des Festbesuchers. Dominante Malz- und Honigdüfte und ein sehr ausbalancierter Körper, in dem eine Süße mit einer ganz dezenten Säure Hand in Hand geht. Eine feine Sache.

Oktoberfestbier Spaten

Spaten Oktoberfestbier: „Das Elegante, das schnell wieder weg ist!“

Ein hellgelbes, glanzfeines Festbier mit kompaktem Schaum. Es ist sehr harmonisch ausbalanciert und duftet nach dezenten Gras- und Heunoten, elegant verbunden mit malz- und biskuitartigen Aromen. Es passt zu allen gängigen Oktoberfestspeisen, ist aber auch solo genossen eine wahre Freude. Im Nachgang verflüchtigt sich die sehr vorsichtige Bittere schnell und macht Lust auf den nächsten Schluck.

Fazit

Alle sechs Oktoberfestbiere sind auch in diesem Jahr den Braumeistern der Münchner Brauereien wirklich gelungen. Gleich sind sie aber beileibe nicht, das ist die gute Nachricht für alle Wiesnbesucher und solche, die sich das Oktoberfestbier nach Hause holen wollen. Es ist für jeden Geschmack etwas dabei. Vom bernsteinfarbenen bis zum strohgelben, vom röstig-kernigen bis zum gefällig-edlen, vom wuchtig-runden bis zum malzbetonten Oktoberfestbier ist heuer alles wieder im Angebot. Da hilft nur eines: selbst probieren und den eigenen Favoriten bestimmen!

Expertinnen und Experten am Werk: Diese Fachjury prüfte die Oktoberfestbiere 2014

Sandra Ganzenmüller

Die die Ähre erschnuppert: Sandra Ganzenmüller

„Ich bin Biersommelière geworden, weil ich dazu beitragen möchte, dass die Biervielfalt vor allem in Deutschland erhalten bleibt und sich hier eine neue Bierkultur entwickelt beziehungsweise die alte erhalten bleibt.“

Sandra Ganzenmüller, geborene Strobel, hat durch ihr Studium an der TU München in Freising-Weihenstephan den Zugang zur spannenden Welt der Biere gefunden und als erste Ernährungswissenschaftlerin die Ausbildung zur Biersommelière absolviert.
Nach verschiedenen Berufsstationen in mittelständischen Lebensmittelunternehmen und Agenturen ist sie seit der Gründung im Jahr 2005 Mitinhaberin und Geschäftsführerin der Agentur zweiblick und verantwortet unter anderem die Kundenarbeit im Getränkebereich. Die Agentur ist fest in der Welt der mittelständischen Brauwirtschaft verankert, daher war der Schritt, berufsbegleitend die Ausbildung zur Biersommelière zu machen, konsequent. 2011 ist die Agentur als Gründungsmitglied in das Kompetenz-Zentrum der branchenbekannten Doemens Akademie aufgenommen worden, an der neben Biersommeliers und Braumeistern auch Getränkebetriebswirte ausgebildet werden. Sandra Ganzenmüller ist seit ein paar Jahren festes Jurymitglied beim European Beer Star (Deutschland), seit 2012 Teil der 200-köpfigen Testerriege des World Beer Cup (USA) und 2013 in die Jury der Brussels Beer Challenge berufen worden. Als Pressesprecherin des Biersommelier-Verbandes arbeitet sie konsequent an der Verbreitung der deutschen Biervielfalt und Bierkultur mit.

Holger Hahn

Schaut gern ins Glas: Holger Hahn

„Bier ist der neue Wein. Und seien wir doch mal ehrlich: Im Ruhrgebiet war das Beste an einer Weinprobe doch immer schon das Bierchen danach, oder?“

Holger Hahn ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt in München. Er ist Mitinhaber der Deutschen Bierakademie und Candidate of the Institute „Masters of Beer“. Als ein Kneipenkind aus dem westlichen Ruhrgebiet wuchs er mit Diebels, Köpi und einer echten, ehrlichen Bier- und Kneipenkultur auf. „Diese Kultur gilt es, zu erhalten und wieder zu zelebrieren, in Zeiten der Beschleunigung. Diese Kultur benötigt vor allem Qualität. Meine Passion als Biersommelier ist es, diese Craft-Biere dem Bierliebhaber nahezubringen und sein Interesse zu wecken, ohne die anderen Biere zu verteufeln. Es geht darum, den Horizont zu erweitern, und um Genuss. Es geht um gute Lebensmittel, um die Liebe zum Lebensmittel Bier. Ich möchte für Biergenuss begeistern, um die qualitative Biervielfalt zu fördern und dieses geniale Lebensmittel nicht dem Kommerz zu opfern“, ist seine Haltung. Er betreibt den Blog biererleben.de und ist aktives Mitglied im Verband der Biersommeliers.

Johanna Lankes

Genuss ist ihre Disziplin: Johanna Lankes

„Ich bin Biersommelière geworden, weil ich unglaublich gerne Bier trinke und einfach mehr über die Entstehung wissen wollte!“

Eine wahre Expertin in Sachen Biergeschichte, Verkostungen sowie Speisen und Bier ist die Münchnerin Johanna Lankes. Als hauptberufliche Bilanzbuchhalterin ist sie normalerweise für das Gleichgewicht zwischen Aktiv und Passiv zuständig. Ab und zu entschwindet sie jedoch der Zahlenwelt, um sich dem Verhältnis von Hopfen und Malz zu widmen. Schon im April 2008 hat die bekennende Bierliebhaberin ihre Biersommelier-Ausbildung bei Doemens absolviert und sich seitdem zu einer erfahrenen Leiterin von Seminaren und Verkostungen entwickelt.

Du möchtest auch Expertin oder Experte in Sachen Oktoberfestbier werden? Diese Adressen sind schon mal ein guter Anfang:

www.augustiner-braeu.de
www.bier-und-oktoberfestmuseum.de
www.bierwiki.org
www.hacker-pschorr.de
www.hofbraeu-muenchen.de
www.loewenbraeu.de
www.oktoberfest.eu
www.paulaner.de
www.spaten.de

 

Alle Fotos der Verkostung: © Christian Herr // zweiblick
Bierkrüge: © Nikada // iStock

Mit herzlichem Dank an die Bier-Jury für ihr fachkundiges Urteil!

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Über den Autor

Alpenwelt Online Team

Das Alpenwelt Online Team schreibt über alles, was die bunte Welt der Trachten und der Trachtenmode bewegt. Thema ist, was das traditionelle Herz aufblühen lässt wie ein Sträußerl Edelweiß. Fragen zum Inhalt oder Anregungen für das Magazin? Wir freuen uns auf deine Nachricht!

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