Du bist … Der Wiesn-Schicki

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Der Wiesn-Schicki – Endlich wieder mit den Scheinen wedeln!

Geld und Ansehen – was will man mehr? Du liebst die schönen und teuren Dinge des Lebens (und der Wiesn), begnügst dich nur mit dem Besten, und wenn dabei mal geklotzt statt gekleckert wird, sei’s drum! Genießen will auch gelernt sein. Und du gehörst dabei eindeutig zur Spitzenklasse.

Titel-Illustration Der Wiesn-Schickimicki

Illustration © Andrea Reiss

„Mooshammer, du Bazi. Aus!“ Deine kleine französische Bulldogge knurrt im Vorbeigehen den Hausmeister des Golfclubs an. Das gehört sich nicht, aber nachvollziehbar ist es schon. Du findest auch, dass der Herr Meier in seinen abgetragenen Lederschuhen ziemlich zwielichtig daherkommt. „Gleiches Grundeinkommen für alle – ist das möglich?“ titelt die AZ, die du aus dem Briefkasten vor deiner Villa holst. Du musst laut lachen. Ja, so ein Schmarrn. Wie soll das gehen? Die Welt ist eben nicht fair, und du kannst dich nur täglich glücklich schätzen, zu den so genannten „Oberen Zehntausend“ zu zählen. Manche kennen die richtigen Zahlen, manche die richtigen Leute. So simpel ist das. Wer ko‘, der ko‘!

Du steigst über deine getragenen Golfklamotten hinweg und schenkst dir ein Glas Barolo ein, zündest eine Zigarre an und blätterst durch die Abendzeitung. Wenn du nicht der wärst, der du bist, wärst du gerne ein Baby Schimmerlos – ihr wisst schon, der Klatschreporter aus „Kir Royal“ – gewesen. Meinungsbildend, angesehen und vor allem prominent bei den Damen. Aber das bist du ja auch so. Nach ausgiebiger Lektüre und Weinverkostung schaust du nach deinem Outfit für die Wiesn. Deine Haushälterin hat dir das Hemd und den Pullunder besorgt. Du bist zufrieden, das Türkis des Hemdes harmoniert fein mit den Streifen des Pullunders. Hoffentlich trägt der Schweini nicht wieder das gleiche Hemd wie du. Das hattet ihr ja schon mal, 2012. Reserviert hast du dieses Jahr eine Box im Käfer-Zelt. Das Hippodrom gibt es ja heuer nicht. Wird schon werden.

Noch ein Glas Barolo und – hups, dann musst du halt erst noch eine neue Flasche holen lassen. Da klingelt es auch schon an der Tür. Im Taxi auf dem Weg zur Wiesn spielen sie dein Lied, du drehst den Lautstärkeregler bis zum Anschlag und ihr singt laut mit dem Fendrich:

„Wenn uns fad is
Dann jetten wir einfach
Ganz rasch auf d’Seychellen
Und dann surfen wir professionell
umadum auf die Wellen

Mir san die Hautevolée
Mir haum den Überschmäh
Mir san a Wahnsinn …“

Du hast Geld und das weißt du. Ansehen und Reichtum sind dir wichtig. Sicherlich nicht die tiefgründigsten Ziele im Leben, aber auch Genießen will eben gelernt sein. Ein Leben in Saus und Braus und immer obenauf – so ohne ist das gar nicht, und manchmal kommst du ganz schön aus der Puste. Wirf doch in einer solchen Atempause mal einen Blick vor die eigene Haustür, in die nächste U-Bahn-Station oder in ein Zuhause, in dem es nicht so rosig zugeht, und du wirst sehen, dass du mit deiner dicken Geldtasche auch noch anderes bewirken kannst als dein eigenes Leben zu genießen. Probier es aus! Tut besser als jedes Schlückchen Schampus.

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Über den Autor

Alpenwelt Online Team

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