Du bist … Der Bipster

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Der Bipster – Ein Hipster in Bayern

Mainstream? Never. Du kennst Trends und Strömungen, bevor die Lifestyle-Mags überhaupt Wind davon kriegen, und hast schon einen Jutebeutel voll Ideen, wie man die „grassy wiesn“ aufhippen kann. Dass du dort auffällst wie ein bunter Hund und Mate nicht im Maßkrug kommt? #deal with it.

Titel-Illustration Der Bipster

Illustration © Andrea Reiss

So totally obvious. Das Oktoberfest ist schon so mainstream, dass es wieder total underground ist. Und bei so einer neuen Bewegung musst du natürlich dabei sein. Am besten ganz vorne. Denn wer, wenn nicht du, findet die neuesten Trends? Das Hendl im Bierzelt geht natürlich gar nicht. Ein Freund deiner Ex, die wiederum die Cousine von Schuhbecks Azubi ist, hat aber bereits eine Idee, wie das kulinarische Programm des Oktoberfestes revolutioniert werden kann: Streetfood-Buden in den Bierzelten. Sie verkaufen ausschließlich bayerisches Food – natürlich vegan. Deine Freunde und du gehen auch nicht auf die krasse Wiesn, sondern auf die „grassy wiesn“ – Wortspiele sind simply euer Ding.

Modebewusst wie du bist, hast du dir lange überlegt wie man das alte Nostalgische, die Wurzeln des Festes, entstauben kann, um absolut hip durch die Zelte zu ziehen. Natürlich muss es die Lederhose sein. Ganz klar. Lange suchst du nach dem passenden Modell, vielleicht findest du ja sogar eine vegane Leinen-Variante, für die kein Tier sterben musste? Irgendwann entscheidest du dich für eine hautenge Röhre (eigentlich ist es eine Kinderkniebundhose in der Größe 158) und bist zufrieden.

Während du eines deiner Flanellhemden auswählst, tippst du auf deinem iPad an einem neuen Blogeintrag für „Joe says“. Noch schnell zum Siebdruckladen deines besten Freundes radeln, mit dem Fixie-Rennbike geht das super schnell, und einen neuen Aufdruck für die lila Jutetasche wählen. Der Font wird natürlich weiß. Totally obvious. Wie wär’s mit einer Brezn?

Noch kurz zum Späti und fünf Flaschen Mate holen. Die sollten für die Fahrt nach MUC reichen. Bevor du weiter radeln kannst, triffst du noch Michelle, die angesagteste Fotografin der Nachbarschaft. Natürlich steigst du nochmal vom Fixie, um dich mit ihr ans Ufer zu setzen und ein paar selbstgedrehte Kippen zu rauchen. So much Art Talk. Deine Mitfahrgelegenheit wird schon warten. Jetzt musst du nur noch schnell auf die Toilette, das Mate treibt so. Da ist die Maß ein Schmarrn dagegen. Fast hättest du dich mit einem „Servus“ von Michelle verabschiedet. Nochmal gut gegangen.

Als du endlich an eurem Treffpunkt ankommst, biegt der rote Wagen mit dem Münchner Kennzeichen gerade vom Parkplatz ab, dein Whatsapp klingelt: „Sorry Alter, wir haben vor 40 Minuten ausgemacht. Wir sind dann mal weg. Servus.“ Du denkst, „#yolo“ und zückst dein iPhone: Irgendeiner deiner Facebook-Freunde wird schon noch einen Platz frei haben. Impulsive Menschen kennen eben keine Grenzen.

So totally hip. Das bist du. Der King der Social Networks, Blogs deine Bibel, der Coffeeshop mit Wifi dein Wohnzimmer. Mach dich einfach darauf gefasst, dass du am Oktoberfest auffallen wirst wie ein bunter Hund, und alles ist okay. Und bestell statt der Maß bloß keinen Mate.

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Über den Autor

Alpenwelt Online Team

Das Alpenwelt Online Team schreibt über alles, was die bunte Welt der Trachten und der Trachtenmode bewegt. Thema ist, was das traditionelle Herz aufblühen lässt wie ein Sträußerl Edelweiß. Fragen zum Inhalt oder Anregungen für das Magazin? Wir freuen uns auf deine Nachricht!

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