Der ultimative Trachtenhochzeits-Guide

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Die bevorstehende Hochzeit soll traditionell und doch gleichzeitig modern sein? Trachtenhochzeiten werden immer beliebter und so entscheiden sich immer mehr Bräute in Tracht zu heiraten. Warum? Ganz einfach. Mit einem Dirndl ist Frau immer gut gekleidet und außerdem unterstreicht und umspielt es die weiblichen kurven wie kein zweites Kleid. Außerdem ist der Dress Code bei Dirndln nicht so streng wie bei einer standartmäßigen Hochzeit, wo Brautkleider meistens weiß sind. Hier kann viel mehr mit Farben und Stoffvariationen gespielt werden. Bei einer Trachtenhochzeit gibt es keine Verbote und der Braut sind keine Grenzen gesetzt. Aber was gibt es außerdem bei einer Trachtenhochzeit zu beachten? Wie kann man überhaupt bei der Planung einer Hochzeit den Überblick behalten und mit welchen Accessoires und Deko-Elementen kann das Motto am besten umgesetzt werden? Die Expertentipps sind hier einmal umfassend aufgelistet…

Hier geht´s zur gratis Checkliste für die perfekte Trachtenhochzeit

Guide-Titel

Einladungen

Victoria Reinsch, Hochzeitsplanerin

Victoria Reinsch, Hochzeitsplanerin

Victoria Reinsch: „Generell bin ich ein riesiger Fan von Themen-Hochzeiten, da sie der Feier einen schönen Rahmen geben und man insbesondere der Papeterie einen auffälligen Stil verleihen kann. Bei Trachtenhochzeiten denkt man sofort an Dirndl, Lederhosen, Geweihe, Brezeln und Karomuster. Also eigentlich an ganz schön vieles mit bunten und kräftigen Farben.

Somit ergeben sich verschiedenste Stil-Richtungen in die man gehen kann.

Urig frisch und grün, man denke an Wälder und Berge, zu der ein Mann in Lederhosen super passt. Hier denke ich an Einladungskarten, die hauptsächlich in Braun- und Grüntönen gehalten sind. Natürlich immer mit weiß oder beige als Grundton, um dem Ganzen seine Klasse und Eleganz nicht zu nehmen. So ist die klassisch elegante Papeterie  bei einer Trachtenhochzeit nicht allzu verschnörkelt und vielleicht mit einem schlichten Geweih dekoriert. Möchte man beispielsweise mit einem Aquarell arbeiten, wäre eine frische grüne Berglandschaft eine wahnsinnig schöne Alternative. Für DIY-Freunde, die etwas Zeit haben ließe sich perfekt mit Holz arbeiten. Die wohl bezauberndste Variante um den Wald- und Wiesen-Charme schon bei der Einladung rüber zu bringen, wäre hier mit Holzplatten zu arbeiten, die noch mit Rinde sind. Diese dann entweder per Hand beschriften oder gar gravieren. Mit einfachen Mitteln aus dem Baumarkt, lässt sich so ein Projekt in liebevoller Handarbeit umsetzten. Die Gäste werden beeindruckt sein.

Es kann aber natürlich auch prächtig und farbenfroh zugehen- ich denke hier an kräftiges grün, frisches rot und freundliches blau. Diese Farben machen sich wundervoll als Karomuster und dies ließe sich natürlich perfekt als Hintergrund nutzen oder wenn es etwas lieblicher werden darf, gerne Herzen mit Karomuster. Ausgehend von den Herzen, die bei Trachtenhochzeiten auch immer wieder auftauchen dürfen, würde man mit einer Einladung auf einem Lebkuchenherzen sicher den absoluten Knaller landen. Ausgefallene Idee und dann personalisiert mit Namen und Datum sicherlich die süßeste Einladung von allen. Solche Herzen lassen sich selber machen oder wer sehr akkurat beschriftete Lebkuchenherzen bevorzugt, sollte sie vom Profi machen lassen.“

Gastgeschenke

Julia Heimann, Hochzeitsplanerin

Julia Heimann, Hochzeitsplanerin

Julia Heimann: „Noch auf der Suche nach einem perfekten Gastgeschenk für eure Trachtenhochzeit?  Wie wäre es dann mit einer selbstgemachten Marmelade? Die jeweilige Lieblingsfrucht der Braut und des Bräutigams werden in der Marmelade vereint, was ein schönes Symbol bei einer Hochzeit ist und zudem eine kostengünstige Alternative zu teuren Gastgeschenken darstellt. Ein kleiner Anhänger mit der Aufschrift „Mit Liebe gemacht“ wertet dieses DIY Geschenk noch einmal auf. Mit Sicherheit werden sich eure Gäste bei jedem Marmeladenbrot an die Hochzeit erinnern.

Gastgeschenk Herz

Alternative Namensschilder wie „Lebkuchenherzen“ – nicht nur hübsch, sondern auch köstlich!

Kleine, mit Gastnamen beschriebene Lebkuchenherzen können als Platzkarten auf den Tischen verwendet werden und man kann sie sich anschließend als Namensschild um den Hals hängen. Das trägt zu einer lockeren Trachtenatmosphäre bei, was vor allem bei Hochzeitsgesellschaften zu empfehlen ist, die sich untereinander noch nicht so gut kennen. Wenn die Herzen als Namensschild ausgedient haben, können sie zuhause als Erinnerung behalten, oder vernascht werden. Herzen sind sozusagen das Allround Talent unter den Gastgeschenken.

Als bleibende Gastgeschenke können kleine Bierkrüge oder Schnapsgläser dienen, in die das Datum der Hochzeit und die Namen des Brautpaares oder die der Gäste eingraviert werden. Natürlich können diese Gläser auch gleich bei der Hochzeit eingesetzt werden.

Bei einer typischen alpenländischen Trachtenhochzeit wird auch ein kleiner Enzianschnaps mit einem Etikett und einem Dankeschön-Text des Brautpaares für eine schöne Überraschung sorgen.

Wenn der Schnaps geleert ist, kann die Flasche noch für Essig oder Öl genutzt werden.

Der Klassiker unter den Gastgeschenken sind sicher die Hochzeitsmandeln. Warum diese nicht einmal in gebrannte Mandeln verwandeln? Diese kann man dann in kleine Tütchen füllen, die die Hochzeitsfarben aufnehmen. Sicher wird dieser Duft jedem Gast den Hochzeitstag versüßen. Wenn das Geschenk ganz luxuriös werden darf, sind Kropfbänder für die Damen und Charivaris für die Herren perfekt. Diese lassen sich auch mit den Initialen des Brautpaares versehen.

Dem Hochzeitsmotto entsprechende Gastgeschenke sind das i-Tüpfelchen bei jeder Hochzeitsplanung und runden ein schönes Gesamtkonzept ab.“

Das Brautkleid

Ariane

Ariane, Hochzeitsbloggerin

Ariane: „Wie sieht so ein Hochzeitsdirndl aus im Jahr 2016? Im Grunde so, wie es euch gefällt. Denn so frei von Konventionen wie derzeit waren Hochzeiten lange nicht mehr. Das trifft natürlich auch für Trachtenhochzeiten zu. Es gibt aber durchaus Merkmale, die aus einem Dirndl ein Brautdirndl machen. Mancher Designer kombiniert inzwischen gar Tradition und Moderne zu ganz neuen Modellen, die die schönsten Details zauberhaft kombinieren.

Damit Braut sich vom Rest der Gesellschaft abhebt, sollte zunächst das klassische Grüne mit der dunklen Schürze im Schrank bleiben. Stattdessen greift die modern Trachtenbraut zu einem Dirndl in einer pastelligen Farbe mit edler Schürze aus farbiger Spitze, glänzendem Stoff oder mit zarten Pailletten bestickt. Noch hochzeitiger wird’s freilich, wenn das Dirndl weiß ist wie ein Brautkleid, die Schürze mit zarten Spitzendetails verziert und der Rock mehrlagig aus edlen Stoffen gefertigt. Zudem haben einige deutsche Brautkleid-Labels inzwischen das Trachtenthema entdeckt. In den Kollektionen der Designer gibt es beispielsweise Kleider, deren Oberteile mit ihrem Kelchkragen, dem charakteristischen Herzausschnitt oder der sichtbaren Korsage abstrakt an Dirndl erinnern. Wenn ihr also eigentlich immer davon geträumt habt, in einem Brautkleid zu heiraten, gleichzeitig aber nicht auf Tradition und Tracht verzichten wollt, dann könnte ein solches Dirndl-Brautkleid der ideale Kompromiss sein.

Ganz gleich, ob pastelliger Klassiker, weißes Dirndl oder Trachtenhybrid: Zu jedem Brautoutfit gehören natürlich die passenden Accessoires. Und die dürfen genauso individuell wie das Dirndl sein:
Knallrote Stilettos zum weißen Brautdirndl oder spitz zulaufende Wildleder-Pumps zum Pastelltraum setzen bewusst Akzente. Dazu ein Kranz aus echten Blumen in die Frisur geflochten und fertig ist die Trachtenbraut 2016/17.“

Location

Sonja Neubert, Hochzeitsplanerin

Sonja Neubert: „Prinzipiell sehe ich hier verschiedene Möglichkeiten. Ich persönlich würde eine Location wählen, die z.B. über warmes, schönes Holz verfügt. Gerne ins Stil „Alpenchic“. Das kann eine stylische oder leicht urige Alm in den Bergen, ein schöner Gutshof auf dem Land, eine Scheune mitten in einem alten Obstgarten, oder ein tolles Hotel mit z.B. Blick auf die Berge sein. Grundsätzlich  kann man sagen, dass im Moment der Trend ganz klar zu heiraten in der Natur geht. Anders gesagt: Der Boho Stil ist noch immer topaktuell.“

Musik

Deborah Lacourrege, Hochzeitsbloggerin

Deborah Lacourrege, Hochzeitsbloggerin

Deborah Lacourrege: „Volkstümliches liegt im Moment im Trend. Wir besinnen uns auf traditionelle Werte zurück, sie geben uns Sicherheit. In diesem Sinn sie auch Trachten- und Dirndlhochzeiten in Deutschland, Österreich und der Schweiz gerade wieder sehr angesagt. Eine Hochzeit in den Bergen, dazu traditionelle Kleidung. Das macht das Bild einfach perfekt.

Tradition – modern interpretiert lautet das Motto meistens. Genau dies rate ich euch auch für die Musik an eurer Hochzeit. Ein bisschen Schlager ist sicher nie falsch. Seit Helene Fischer ist dieser Musikstil wieder salonfähig geworden. Schlager verbindet die Generationen – er zieht alle auf die Tanzflächen, vom Teenager bis zur Großmutter. Zudem können alle mitsingen, was automatisch für gute Stimmung sorgt. Seid ihr und eure Gäste sehr Schlager- und Volksmusikaffin könnt ihr natürlich ausschließlich darauf setzen. Vielleicht kennt ihr ja noch jemanden, bei der Blaskapelle aus dem Dorf, der veranlassen kann, dass euch ein Ständchen gespielt wird? Oder wenn ihr auf der Schweiz seid, wäre das Jodelchörli ein Option? Ist eure Gästeschaft aber bunt gemischt, was den Musikgeschmack betrifft, würde ich auch bei deren Auswahl auf ein gesundes Mittelmaß setzen. Denn wenn ihr auch Hipster an eure Hochzeit eingeladen habt, riskiert ihr, diese mit Schlager-Dauerbeschallung zu vergraulen. Ein bisschen Schlager, ein bisschen Pop, einige Oldies, vielleicht sogar House oder Electro am späteren Abend. Besprecht die Musikauswahl mit eurem DJ. Ist er vom Fach, wird es wissen, wie er eure Gäste auf die Tanzfläche bringt. Und wird notfalls die Musikrichtung wechseln, wenn sich eine Flaute androht. Teilt ihm einfach mit, wenn eine gewisse Musikrichtung oder bestimmte Lieder für euch ein totales No Go sind. Macht euch nicht zu viele Gedanken zur Musik. Lasst Lieder spielen, die euch als Brautpaar mitreißen. Seid ihr in Festlaune und rockt die Tanzfläche, werden euch eure Gäste ganz automatisch folgen. Denn gute Stimmung ist ansteckend.“

Finanzieller Überblick

Wenn es um die Traumhochzeit geht, liegen Vorstellung und Wirklichkeit meist Welten auseinander. Aber was genau ist an einer Hochzeit denn so teuer?
Andrea Schaubeck

Andrea Schaubeck, Marketing & Sales bei Hochzeitsregion München

Andrea Schaubeck: „Der größte Kostenpunkt ist die Gästeanzahl, da die meisten Locations Essen und Trinken pro Gast berechnen, was in den meisten Fällen schnell 100 € erreichen kann. Bei 70 der engsten Freunde und Verwandten wären das schon 7.000 €. Doch dazu kommen noch die Location selbst, der Fotograf, das Brautkleid, der Kirchen- und Tischschmuck und natürlich die Ringe.

Durchschnittlich sind die Deutschen bereit, ca. 5.000 € bis 10.000 € für ihre Traumhochzeit zu bezahlen, doch dieser Rahmen wird schnell gesprengt. Was kann man also tun, um auch mit kleinem Geld eine unvergessliche Hochzeit zu organisieren? Zu allererst sollte man sich mit dem Partner absprechen, um die Prioritäten abzustecken. Ihnen ist vielleicht der Tischschmuck wichtiger als Ihrem Partner, ihm wäre dafür eine Gartenhochzeit lieber als ein Schloss. Wenn Sie sich verständigt haben, wo Ihre Prioritäten liegen, können Sie bei den Dingen, die Ihnen beiden nicht so wichtig sind, getrost Abstriche machen.

Grundsätzlich gibt es wohl die größten Einsparmöglichkeiten bei Location und Essen. Die oben genannte Gartenfeier kann mit einer kleinen Anzahl an Gästen und selbst gemachten Delikatessen eine ebenso romantische Erfahrung sein, wie das Schloss mit dem externen Caterer. Auf jeden Fall kommen Sie bei der ersten Variante billiger weg. Wenn die Familie noch selbst gebackene Kuchen mitbringt, haben Sie sich auch das Dessert gespart. Und der Kuchen von Omi schmeckt bekanntlich immer noch am besten. Sollten Sie sich für einen Catering-Service entscheiden, gilt die Regel: Buffets sind billiger als Menüs! Ein weiterer großer Kostenpunkt ist das Brautkleid. Oftmals geht man ohne Budget- Vorstellungen in Brautmoden-Geschäfte und findet genau DAS Traumkleid. Bei dem Blick auf das Preisschild kommt das große Erwachen. Am besten legen Sie sich schon von vornherein auf ein Maximalbudget fest und geben dieses auch direkt an die Verkäuferin weiter, damit sie Ihnen gezielt Brautkleider aussuchen kann. Selbiges gilt natürlich auch für den Anzug des Bräutigams und alle weiteren Anschaffungen. Seien Sie ehrlich mit Ihren Anbietern, um Zeit und Nerven zu sparen. Als letzten Tipp: die Dekoration, bei der vieles selbst gemacht werden kann. Dies gibt der Hochzeit noch einen netten persönlichen Touch. Die Blumengestecke der Brautjungfern können nach der Kirche auch als Tisch-Dekoration weiter verwendet werden und eine einzelne Blume im Haar ist im Frühling fast schöner als ein opulenter Schleier.“

Daniela, wie behält man bei der Planung einer Hochzeit am besten den Finanziellen Überblick, gibt es Tipps?
Daniela Jost

Daniela Jost, Hochzeitsplanerin

Daniela Jost: „Es ist unabdingbar, vor Beginn der Planung einen sinnvollen Budgetplan aufzustellen. ERST DANN sollte man überhaupt auf die Suche nach der perfekten Location gehen. Da die Brautpaare meist Schwierigkeiten haben, die einzelnen Posten korrekt einzuplanen, hier eine grobe Faustregel:

In einer guten Location sollte man mit mind. 100.- Bewirtungskosten (Essen und Getränke) pro Gast rechnen. Die Kosten rund um die Location (Miete, Bewirtung) machen ungefähr die Hälfte des Hochzeitsbudgets aus. Das bedeutet bspw. wenn ich weiß, dass ich 10.000 Euro im Gesamten zur Verfügung habe und dies bei 100 Gästen  (Ringe und Kleid nicht vergessen im Budget!) dann muss ich eine Location finden, in der ich mit max. 50.- Bewirtungskosten pro Gast auskomme. Paare machen oft den Fehler, sich aus dem Bauch heraus ohne jemals durchdachte Budgetplanung, für eine Hochzeitslocation zu entscheiden, was dann bedingt, dass es mit allen anderen Posten (Deko, Torte, Fotograf, Gastgeschenke, Hochzeitspapaterie) nur noch eng werden kann.

Am besten nennt jeder der beiden Partner seinen absolut wichtigsten Punkt im Budget(für die Braut evtl. das Styling at home und für den Mann das Hochzeitsauto?). In diesen beiden Punkten werden keine Kompromisse gemacht. Für alle anderen Posten kann man dann kreativ auch Sparlösungen finden.“

Marina, wie kann man bei der finanziellen Planung abstrich machen?
Marina Cipic

Marina Cipic, Hochzeitsplanerin

Marina Cipic: „Am besten beginnt man mit einer Liste von Dingen die man für die Hochzeit braucht. Zum Beispiel Band oder DJ, Einladungskarten (sollen diese designt werden oder fertige Designs aus dem Internet bestellt), wie soll die Location aussehen.

Je nach Budget kann man Prioritäten setzen. Was ist einem besonders wichtig, worauf kann man verzichten. Wenn man all diese Dinge weiß, sollte man zunächst die wichtigsten Dinge für die Hochzeit buchen und diese Dinge die für einen Priorität haben. Danach alles andere, so sieht man wie viel Budget einem noch bleibt und kann dieses entsprechend aufteilen.

Man sollte außerdem vorab klären, wie viel Budget man überhaupt zur Verfügung hat, und ob dieses realistisch ist. Ggf. hat man noch etwas übrig, oder muss gewisse Dinge streichen.“

Melanie, was ratet ihr den Brautpaaren in Punkto Planung und Überblick?
Melanie Goldberg

Melanie Goldberg, Hochzeitsplanerin

Melanie Goldberg: „Wenn wir mit unseren Brautpaaren das erste Mal zusammensitzen, spielen wir zunächst „Wünsch dir was“. Das heißt, die Paare erzählen erst einmal, wie sie sich ihre Hochzeit vorstellen und dabei auch, was die „heimlichen Herzenswünsche“ sind. Oft fällt in dem Zusammenhang der Satz: „Wir hätten gerne, aber nur, wenn es ins Budget passt…“ oder „Wenn das nicht zu teuer ist, wäre toll…“

So unromantisch es ist, aber wir kommen am Ende des Gesprächs immer zur leidlichen „Preisfrage“: Etwa die Hälfte der Paare hat ziemlich konkrete Budgetvorstellungen und kann die Gesamtkosten, die wir dann aufführen, gut nachvollziehen. Die andere Hälfte hingegen hat Schwierigkeiten dabei, einzuschätzen, was eine Hochzeit „mit allem Drum und Dran“ heutzutage für das Konto bedeutet.

Damit ihr bei eurer Planung den Überblick behaltet, erstellt am besten eine Tabelle und führt alle Positionen auf, die euch spontan einfallen. Also Location mit sämtlichen Speisen (Fingerfood, Kaffeetafel, Abendessen, Mitternachtssnack) und Getränken (zum Empfang, Abendessen, Party), Musik, Fotograf, Papeterie, Deko, Styling… Diese Liste wird sicher im Laufe der Planung wachsen, da euch nach und nach immer mehr Dinge einfallen, die ebenfalls berücksichtigt werden sollten. Unser Tipp: seid wirklich gewissenhaft und gründlich und führt über alles Buch! Denn auch „Kleinigkeiten“, wie Gastgeschenke oder Gästebuch, Ringkissen usw. summieren sich.

Dann fangt ihr an, die ersten Angebote einzuholen von Locations und Caterern und all den anderen Dienstleistern. Es empfiehlt sich, jeweils zwei, drei Angebote für jede Branche zum Vergleich einzuholen; so bekommt ihr ein besseres Gespür für die marktüblichen Preise. Wenn ihr beim Catering-Angebot keine Getränkepauschalen, sondern die Abrechnung nach tatsächlichem Verbrauch angeboten bekommt (was für beide Beteiligten meistens die fairere Variante ist!), könnt ihr als Faustregel den Menü- bzw. Buffetpreis ansetzen, und ihr habt in etwa die Kosten für den Getränkeverbrauch im Zeitraum von etwa sechs Stunden. Also wenn das Menü beispielsweise 45 Euro kosten soll, könnt ihr davon ausgehen, dass ihr pro Gast in etwa noch einmal genauso viel für Getränke während des Abendessens ausgebt. Hinzu kommen hier immer Longdrinks, Digestif und alles, was allgemein „open end“ getrunken wird. Man gibt insgesamt also mehr für Getränke als für das Essen aus.

Die Kosten für die Location inklusive Speisen und Getränke sind übrigens ein guter Anhaltspunkt, um die Gesamtkosten der Hochzeit einzuschätzen. Denn auch hier gibt es eine Faustregel: „Location x 2 zuzüglich Kleidung und Ringe“. Bei einer Gesellschaftsgröße von 70 bis 80 Gästen kommt diese Formel in der Regel gut hin. Nicht berücksichtigt sind hierbei exklusivere Wünsche, wie z.B. eine Live-Band oder Feuerwerk.

Und zu guter Letzt noch zwei Tipps, wenn ihr Angebote einholt: vergleicht nicht nur die Zahlen, die unter dem Strich stehen, sondern immer auch die aufgeschlüsselten Leistungen da drüber! Je transparenter ein Angebot ist, desto besser. Versteckte Kosten finden sich zum Beispiel bei einigen Fotografen, die für die Bildrechte einen Aufpreis nehmen oder wenn sie eure Bilder nicht für Werbezwecke nutzen dürfen.

Und bei der Location-Wahl gilt: eine Räumlichkeit mit angeschlossenem Gastronomiebetrieb oder Inhouse-Caterer ist in der Regel günstiger, als wenn man einen Raum mietet und zusätzlich einen Caterer bucht, der von der Gabel bis zum Stuhl alles mitbringen muss. Im Restaurant entfällt die Raummiete, und ihr zahlt nichts extra für Mobiliar und Geschirr, da beides bereits in den Menüpreisen inkludiert ist.

Was viele Brautpaare ebenfalls gerne unterschätzen: eine Feier im eigenen Garten ist in etwa doppelt so teuer, wie ein Fest in einem Restaurant mit vorhandenem Equipment und sanitären Anlagen.

Ganz wichtig, damit ihr euch über die Kosten nicht die Vorfreude verderben lasst: geht nicht mit zu spitzem Bleistift an die Planung heran und habt einen finanziellen Puffer im Hinterkopf! Weiterhin unterteilt eure Wünsche in „unbedingt haben wollen“ und „wäre schön, muss aber nicht“. Letztere könnte man sich auch von den Eltern oder der Freundes-Clique schenken lassen.“

Trachtenhochzeitstorte

Sonja Neubert: „In Bayern ist ja bekanntlich das Erdbeerherz noch relativ verbreitet. Wenn man es etwas trendiger haben möchte, würde ich ein Semi Naked Cake in Herzform vorschlagen. Diese dreistöckige, ganz natürliche Torte wird mit Früchten und echten Blumen verziert. Dazu passend: Donuts, ebenfalls in Herzform.“

Deko

Jasmin Marks

Jasmin Marks, Hochzeitsplanerin

Jasmin Marks: „Eine Trachtenhochzeit bietet viel Gestaltungsspielraum, die bestens bei den Themen Dekoration und Papeterie mit eingebunden werden kann. Moderne gepaart mit Natürlichkeit sind tolle Spannungen, die man bei Trachtenhochzeiten erzeugen kann. Naturmaterialien und Dinge, die man im Alltag findet, können super in Szene gesetzt werden und gerade bei dem Thema kann durch DIY die Kosten für Deko gering gehalten werden.

Wald und Wiesenblumen locker gesteckt – ohne ein Gesteck vom Floristen zu ordern – sind eine der Möglichkeiten, die Dekoration zum Leben zu erwecken. Vasen? Warum teuer kaufen: Macht es wie eine meiner Kundinnen mit Ihren HIP-Gläschen: Ab in die Spülmaschine, eine schönes Spitzenband drum, schöne Holzscheiben, Laub oder Moos und der Tisch ist passend zum Thema dekoriert

Nicht nur bei der Deko, sondern auch bei der Papeterie sind Materialien möglich, um den Wow-Effekt zu erzeugen. Zwar nicht günstig aber sehr effektvoll – Der Druck oder Laserschnitt auf Holz. Mehrere Holzkarten, zusammengehalten mit einem schönen natürlichen Band oder mit einem Zusatz wie einer kleinen Salzbrezel… Über das Papier und Layout hinaus denken – was kann man schön mit Materialien machen, um einen einzigartigen Effekt zu erzeugen! Für mich immer eine der schönsten Aufgaben tolle Konzepte, mit einfachen Dingen umzusetzen. Daher ein tolles Thema!“

Sonja, wie kann man mit kleinen Dekoelementen das Motto Trachtenhochzeit schön umsetzen?

Sonja Neubert: „Die Dekoration sollte immer zur Location und natürlich perfekt zum Brautpaar passen. Deshalb gibt es auch hier unzählige Möglichkeiten. Eine Trachtenhochzeit muss längst nicht mehr zwingend  blau weiß und kariert sein. Ich persönlich würde ganz natürlich dekorieren: Auf Birkenholz-Scheiben könnten edle weiße Blumen in hohen Zylindervasen stehen. Aber auch buntgemischte Wiesenblumen sind eine schöne Möglichkeit. Wenn man dann einen Touch Bayern hinzufügen möchte, sind weiß blaue Kordeln rund um die Vasen eine moderne Umsetzung. Hiermit könnten auch die zu einer Rolle gedrehten Servietten umwickelt sein, an denen dann das Platzkärtchen befestigt wird. Eine andere schöne Lösung ist es, die Serviette in Herzform zu falten und hier die Menükarte einzustecken. Noch eine etwas klassischere Idee für die Platzkarten: kleine Wiesn-Herzen, auf denen die Namen der Gäste stehen.“

Do It Yourself

Nicola Neubauer

Nicola Neubauer, Hochzeitsbloggerin und Autorin von „Hochzeit – mit Liebe selbst gemacht“

Nicola Neubauer: „Es sind meist kleine Dinge, die einer Hochzeit eine unverwechselbare Persönlichkeit geben. Ein selbstgemachtes Gastgeschenk, ein handbesticktes Taschentuch von Oma, mühevoll gefaltete Pompoms an der Decke. Nicht nur weil sie dekorativ sind und Gäste überraschen. Viel wichtiger: sie verkörpern die Individualität des Brautpaares.

Bevor sich Brautpaare aber Hals über Kopf in DIY-Projekte stürzen, sollten sie es gut durchdenken.

Handarbeit dauert

Wer Dinge selber machen will, sollte sich dafür Zeit nehmen. Wer wenig davon hat, braucht nicht auf DIY-Projekte für seine Hochzeit zu verzichten. In diesem Fall sollten sich Brautpaare allerdings auf wenige Projekte fokussieren. Zum auf solche, die  besonderen sentimentalen Wert haben oder besonders originell sind. Hände weg, von Dingen, die in großer Zahl hegestellt werden müssen. Zum Beispiel Gastgeschenke oder Einladungen – Es sei denn, sie sind wirklich schnell und
einfach herzustellen.

DIY spart kein Geld

Der Wert von Selbstgemachtem liegt in seiner Einzigartigkeit. Die hat ihren Preis: Gutes Material vor allem aber gutes Werkzeug wie Scheren, Stanzen, Stempel kosten. Was genau, ist abhängig von der Grundausstattung, die bereits vorhanden ist und vom Anspruch an die Qualität des Materials. Je außergewöhnlicher der Stoffe, je seltener die Farbe des Seidenpapiers, je bio die Wolle desto höher der Preis. Wer ein außergewöhnliches Stück für seine Hochzeit herstellen will, muss dafür ein gewisses Budget einplanen.

Übung macht den Meister

Handarbeit ist Erfahrungssache. Deshalb sollten Brautpaare nicht frustriert sein, wenn der erste Versuch eines Projektes keinen Schönheitspreis gewinnt. Techniken und Material wollen erprobt werden. Wer sorgfältig arbeitet und auf Kleinigkeiten achtet, bekommt den richtigen Dreh bald raus. Selbstgemachtes muss auch nicht perfekt aussehen. Die Mischung aus liebevoller Detailarbeit und kleinen Unperfektionen macht den Charme von DIY-Projekten aus.“

Ariane, wie kann man die Trachtenhochzeit mit Selbstgemachtem ausschmücken?

Ariane: „Dirndl, Lederhose, Charivari – fertig ist die Trachtenhochzeit? Naja, vielleicht nicht ganz: Auch wenn das Outfit von Braut und Bräutigam im Mittelpunkt steht, ein bisschen mehr darf es schon sein, damit die Hochzeit auch wirklich ganz und gar im heimatlichen Glanz erstrahlt: Auch die Deko sollte mit Brautdirndl und Bräutigamtracht harmonieren und zugleich zum Ambiente der Location passen. Vermutlich werdet ihr euch für eine Alm entscheiden, einen Stadel oder auch eine Feststube. All diesen Locations ist eins gemein: Holz, Holz und wieder Holz. Ob Bänke, Wände oder Tische, rustikale Locations bestehen in der Regel nun einmal weitgehend aus – genau: Holz. Und genau das lässt sich auch hervorragend zum Dekokonzept machen.

Baumscheiben als Untersetzer für Stumpenkerzen oder ganze Gesteckkombinationen sind im Trend. Dazu passen Moos als Tischläufer und Eicheln als zwischengestreute Dekoelemente. Überhaupt ist der derzeitige Naturtrend quasi das natürliche Gegenstück zur Trachtenhochzeit: Gräser und Wiesenblumen dürfen durchaus in kleinen Väschen auf den Tischen stehen. Aber Achtung: Solche Dekovarianten sind zwar verhältnismäßig günstig, allerdings solltet ihr dann ganz sicher sein, dass unter euren Gästen keine Allergiker sind. Gerade mit Gräsern ist Vorsicht geboten. Schließlich wollt ihr ja nicht das minütliche Niesen von Tante Ingrid als Soundtrack eurer Hochzeitsfeier in Erinnerung behalten – oder gar die frühzeitige Abreise von Cousin Henrik. Eine schöne, aber ungleich kostenintensivere Alternative sind dagegen Sukkulenten. Sie erobern seit einiger Zeit die Hochzeitswelt, passen hervorragend auch zu Trachtenhochzeiten und machen sich zudem im Brautstrauß ganz zauberhaft.

Neben Naturmaterialien und Pflanzen zählt aber natürlich auch das Gastgeschenk ganz wesentlich zu den Dekoelementen einer Hochzeit. Lebkuchenherz und Guglhupf im Mini-Format machen sich hervorragend auf den rustikalen Tischen. Das salzige Pendant dazu wären übrigens kleine Salzbrezen, die ihr als essbare Deko mit blau-weißen Satinbändern an Kerzenleuchter hängen oder einfach zwischen die Tischdeko streuen könntet – eurer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt!“

Wir möchten allen Experten recht herzlich danken, die an dem Alpenwelt Trachtenhochzeitsguide und dem Artikel mitgewirkt haben!

 

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Über den Autor

Alpenwelt Online Team

Das Alpenwelt Online Team schreibt über alles, was die bunte Welt der Trachten und der Trachtenmode bewegt. Thema ist, was das traditionelle Herz aufblühen lässt wie ein Sträußerl Edelweiß. Fragen zum Inhalt oder Anregungen für das Magazin? Wir freuen uns auf deine Nachricht!

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